Lange galten sie als ein Relikt vergangener Zeiten, die Stofftaschentücher, die noch vor wenigen Jahrzehnten in jede Handtasche oder Anzugtasche gehörten. Durch den Siegeszug des Papiertaschentuchs gerieten die Tücher aus Stoff fast in Vergessenheit. Mit der Wiederentdeckung des klassischen Stils vor allem bei den Herren erfreut sich auch das Stofftaschentuch wieder steigender Beliebtheit.

Taschentücher in der Antike und im Mittelalter

Taschentücher haben eine lange Tradition. Schon die alten Ägypter nutzten kleine Tücher aus Leinen, um sich damit von Schweiß und Staub zu befreien. Die Römer versteckten kleine Tücher in den Taschen ihrer Tuniken. Zum Naseschneuzen wurden sie nicht verwendet, dafür diente eher der Ärmel des Gewandes. Im Mittelalter gewann das Taschentuch eine ganz besondere Bedeutung. Ritter veranstalteten große Turniere, um als Siegespreis das Tuch einer edlen Dame zu erringen. Die Tücher waren fein gearbeitet und mit Stickereien und selbst geklöppelter Spitze versehen. Während der Sturm- und Drangzeit diente das Taschentuch der Kontaktaufnahme zwischen den Geschlechtern. Erwiderte ein Fräulein das Werben eines Herren, dann konnte sie durch das Fallenlassen des Taschentuchs zeigen, dass sie ihm gewogen war. Und er bewahrte das Tuch in der Nähe seines Herzens auf, so jedenfalls lassen es die Romane jener Zeit glauben.

Kein Happy End ohne Stofftaschentuch

In den guten alten Filmen, die im letzten Jahrhundert besonders beliebt waren, gewann das Taschentuch aus Stoff eine dramaturgische Bedeutung. Wenn am Ende des Filmes das Happy End bevorstand und die Dame in Tränen ausbrach, zog der Liebhaber das Tuch aus seiner Tasche und überreichte es oder trocknete damit ihre Tränen. Solche Szenen sind mit einem unromantischen Papiertaschentuch kaum denkbar.

Beliebte Geschenke

Viele Jahrhunderte zählten Stofftaschentücher zu den meist verschenkten Gegenständen. Fein bestickt konnten sie der Freundin, der Tante oder dem Vater unter den Weihnachtsbaum gelegt oder zum Geburtstag überreicht werden. Junge Damen der Gesellschaft verbrachten einen großen Teil ihrer Zeit damit, die Tücher kunstvoll zu gestalten. Sie applizierten Blumen und Sprüche auf die Taschentücher aus Leinen, Baumwolle oder Seide. Die Säume wurden mit den verschiedensten Saumstichen verziert oder die Initialen des Empfängers aufgestickt.

Die Renaissance des Stofftaschentuchs

In der Zeit des Understatements, in der der Herr von Welt zur Jeans auch ruhig einmal eine Anzugjacke tragen kann, wird häufig auf klassische Accessoires zurückgegriffen. Das Stofftaschentuch erlebt eine wahre Renaissance. Zum Naseschneuzen wird es nur selten benutzt, da greift der moderne Mann lieber zum Papiertaschentuch, das sich leicht entsorgen lässt und nicht gewaschen und gebügelt werden muss. Dabei sind die Stofftaschentücher, die aus meist aus feiner Baumwolle bestehen, besonders freundlich zu der empfindlichen Haut in der Nasengegend.
Passend zum Outfit – kariert, gestreift oder in edlem Weiß mit Initialen – steckt der stilvolle Herr es in die Brusttasche der Anzugsjacke. Harmoniert die Farbe des Tuchs mit der Farbe der Krawatte und des Anzugs, verleiht das Einstecktuch einen klassischen Chic. Und ganz nebenbei ist der Träger eines Stofftaschentuchs für eventuelle Malheurs bestens gewappnet.